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  • Anne Kuhnert

'Tour de Suisse' für Einsteiger:innen

In den Sommerferien mal ohne die Kinder in die Schweizer Einsamkeit verschwinden und auf dem Berg weinen: Wenn Piz und Heide im Auto unterwegs sind.


Anfang Juli zählte ich die Tage rückwärts. Was erzähle ich: Ich zählte am Ende die Stunden. Ehrlich. Ich freute mich so auf unseren Urlaub zu zweit, dass ich beinah ein schlechtes Gewissen hatte. Den Kindern gegenüber. Obwohl ich sie wirklich gern hab. Aber nach dem CoVid19-Home Schooling und den 14 Tagen auf einem gemeinsamen Hausboot musste und wollte ich allein mit Andri verreisen. (Das schlechte Gewissen war übrigens sofort verflogen, als ich die Berge Wäsche in die Waschmaschine stopfte und der Pubertätsgeruch mir die Luft zum Atmen nahm.)

Schon seit Jahren wollte mir Andri mal in einer 'wilden' Tour mit unserem Mini-Van die Schweiz zeigen. Denn vor vielen, vielen Jahren hatten wir das Gleiche in Brandenburg gemacht und ich hatte ihm meine Heide gezeigt.

Unterwegs in unserem Auto durch die Schweiz

1. Etappe - Engadin (Kanton Graubünden)

Wir bauten also die Sitze aus dem Mini-Van aus und legten unsere Matratze rein, Dachkoffer aufs Auto draufgeschnallt und ab die Post. (Achja, und ich packte vollkommen übermotiviert noch ungefähr 30 Bücher ein.) Nach etwa 1,5 Tagen hatten wir die Strecke zwischen Berlin und dem Engadin, einem Schweizer Hochtal, geschafft. Was soll ich sagen: Das Engadin mit seinen scharfen Kanten und hohen Klippen ist perfekt zum Abschalten, wandern, lesen und Quellwasser trinken. Die Häuser muten massiv an, müssen sie aber auch bei den entsprechenden Wetterverhältnissen dort. Gemütlich sind sie aber alle mal.

Typisches Engadiner Wohnhaus (in Martina)

Und ich, als Kind aus der Heide, fühle mich jedes Mal unbedeutend und klein, wenn ich auf die hohen Felsen und Brüche vor mir schaue. Ich hatte also auch dieses Jahr wieder kurz Schnappatmung mit Blick auf die Berge, fühlte mich aber sicher. Jedoch..... sicher fühlte ich mich nur, solange Andri mich nicht auf verrückte Wandertouren schleifen wollte, die immer (wirklich immer) harmlos klingen, und hinterher grausig hoch und steil sind. Ja, richtig gehört. Der Mann versprach mir (erneut) harmlose und romantische Ausflüge zu zweit mit Picknick und See und am Ende hatten wir uns natürlich (!) im Wald auf dem Berg verlaufen. Denn der Schweizer ist schon längst Berliner Großstadtmensch geworden und wußte somit den richtigen Weg nicht mehr zurück. Ich meine: HALLO?! Wie schwer konnte es sein, einfach wieder hinunter zu laufen. Aber nein, der Mann wollte natürlich nicht denselben Weg zurück laufen. Es musste neu und unerwartet sein. Ts. Wenn ich nicht so viel Angst in der Höhe und an der Klippe hätte, würde ich jedes Mal brüllen vor Lachen. (Ist natürlich nicht unser erstes Mal auf den Bergen.) Aber stattdessen schauten uns andere wandernde Menschen an, wie wir uns anbrüllten auf dem Berg und tapfer hinunter stiefelten.

Tipp: Bevor Wandertouren zu zweit geplant sind, etwaige Konfliktherde entweder aufschreiben, ausdiskutieren oder ausblenden. Auf gar keinen Fall Grundsatzdiskussionen AUF dem Berg führen.

Die Aussicht möchte ich an dieser Stelle aber noch erwähnen. Selten hatte ich so ruhige Wolken zwischen den Bäume und Berggipfeln hängen sehen.


Lesetipps:


Ausflugstipps (ohne und mit Kindern):

  • Nationalparkzentrum Zernez: Alles Wissenswerte über den 1914 gegründeten Schweizer Nationalpark. Großartiges Museumsdesign und allein aufgrund der pädagogischen Aufbereitung ein Must-Do.

  • Mineralbad Bogn Engiadina Scuol: Mit Blick auf die Berge in derTherme oder der Sauna liegen und verschiedene Mineralhaltige Wasser trinken. Perfekt zum Entspannen.

  • Wanderrouten im Unterengadin: So schöne Routen für die absoluten Profis und auch für Einsteiger:innen und Kinder.

  • Lischana-Hütte: Weitsicht mit Tiefblick, so steht's auf der Website und es stimmt. Unbedingter Tipp zum Wandern und Übernachten auf 2500m.


Und zum Schmöckern:


2. Etappe - Graubünden, Fürstentum Liechtenstein & Zürich

Sicherlich hatten wir uns am Ende wieder liebevoll vertragen, ich kam gesund und halbwegs munter im Tal an und nach 6 Tagen Erholung, Zeit zum Lesen, einer Menge Schlaf und ganz viel Besuch bei den (Groß-)Eltern machten wir uns auf den Weg zu unserer eigentlichen 'Tour de Suisse'. Mein Ziel war, endlich dies kleine aber feine Land zu sehen um es besser zu verstehen. Ich wollte vom äußersten Osten (Hochtal Engadin) nach Genf, ganz im Westen. Ich wollte das Matterhorn sehen und ganz peinlich dort Toblerone essen. Ich wollte wissen, was es mit dem Berner Oberland auf sich hat und ich wollte mal ins Jura, einfach des Namen wegen. (Schon mal vorneweg: Ich hab natürlich die Toblerone oben auf dem Berg vergessen, weil ich zu viel Angst hatte. Haha!)

Um also vom Engadiner Hochtal ins Fürstentum Liechtenstein zu gelangen, lohnt es sich den Flüelapass (2363m) zu nehmen. Hier oben ist die Luft klar, der Schnee noch vorhanden und der Kaffee gut. Einige Tourist:innen werfen sogar die Angel in einen der Gebirgsseen.

Wir machten Halt und waren tatsächlich mal für 30min mucksmäuschenstill. Keine Hektik, keine Eile, kein Terminplan - nur wir und diese Höhe. Oberhalb der Baumgrenze wollte ich am liebsten die Wolken streicheln und ins eiskalte Wasser hüpfen.

Tipp: Die Temperatur der Gebirgsseen nicht unterschätzen. Und ausreichend warmen Tee oder Kaffee parat haben. Und erneut: keine Grundsatzdiskussionen am See führen.


Anschließend fuhren wir über die Autobahn Richtung St. Gallen und plötzlich tauchte ein Hinweisschild auf: Weltmonument Salginatobelbrücke. Und Andri so: Bitte was?! (Habe selten so laut gelacht und Wasser durch's Auto gespritzt, wie in diesem Moment.) Andri hatte bis dato noch nie von diesem Weltmonument gehört und so fuhren wir von der Autobahn ab und die Serpentinen hoch zur Brücke. Kurz gesagt: Tolle Betonbrücke, irre Schlucht und ein doppeltes WOW!, weil sie bereits 1929 gebaut wurde. Unbedingt anschauen und dort spazieren gehen.

Und nach unser beider Erkenntnis, dass es wohl so Manches gibt in der Schweiz, von dem selbst der Schweizer selbst noch nichts weiß, machten wir uns endlich auf den Weg nach Liechtenstein. Wieso Liechtenstein, hatten uns unsere Freund:innen gefragt.

Antwort: Ich hatte ein ganz neues Buch gelesen und war berauscht von den Bildern darin. (Der junge, neue Autor Benjamin Quaderer hat dieses Jahr ein großartiges Buch über sein Herkunftsland Liechtenstein geschrieben.)

Ich wollte das kleine Fürstentum anschauen, ich wollte es mit eigenen Augen sehen und ich wollte... einen Kugelschreiber. Genau. Hiermit oute ich mich als jemanden, die gerne schreckliche Souvenirs kauft und liebt: Schreibblöcke und Stifte sind meine Sucht. Der Mann rollte mal wieder die Augen, schnappte sich ein Eis (übrigens überirdisch lecker aus der Dolce Vita Eismanufaktur Vaduz) und wartete auf mich und meinen Stiftkauf im Touri-Zentrum Vaduz. (Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich heimlich noch ein wenig durch die Innenstadt geflitzt bin - allein! - und Fotos der Architektur gemacht habe. Da gibt es wirklich schöne Bauten zu sehen. Es wäre wirklich nett, wenn das nicht an den Mann verraten werden würde.)

Fazit zum Fürstentum: Sieht hübsch und niedlich aus und hat's faustdick hinter den Ohren. Vaduz ist interessant für diejenigen, die sich auch historisch für die Stadt und das Fürstentum interessieren.


Lesetipps:

Und zum Schmöckern:

typisches Haus in Werdenberg, kleinste Stadt der Schweiz

3. Zwischenstopp - Werdenberg (Kanton St. Gallen)

Eigentlich sollten wir nun in Zürich gelandet sein. Waren wir aber nicht, weil wir den Tipp bekommen hatten, uns auf dem Weg von Liechtenstein nach Zürich noch das Städtchen Werdenberg anzuschauen. Es gilt als das kleinste Städtchen der Schweiz und hat wohl um die 45-50 Einwohner:innen. Als wir dort waren, hatten wir wohl die Hälfte von ihnen getroffen. Die Stadt ist eine reine Altstadt und hat einen kleinen Teich, den Besucher:innen rund herum spazieren können. Zudem hat Werdenberg eine kleines Schloß, welches den Besuch wert ist.


Wir konnten unser Glück kaum fassen, so leer und einsam wirkte die Stadt. Perfekt für uns zum Spazieren und Reden und für unsere Überlegungen, wie es während und nach CoVid-19 weitergehen kann und soll. Wir kamen in unseren Gedanken jedoch nur mittelmäßig weit, denn die Häuser und die Gassen waren so niedlich und zauberschön, dass ich immer wieder den Faden verlor und Andri bei der dritten Wiederholung nur noch: "Man Anne!" grummelte. Ganz ehrlich: An manchen Orten braucht's einfach keine Berliner Großstadt-Start-Up-Diskussion, sondern lediglich Entschleunigung, einen Sonnenspritzer auf der Nase und ein bisschen Holunderblüten-Sirup.

Lesetipps:


Ausflugstipps (ohne und mit Kindern):

  • Schloss Werdenberg: Verschiedene Museen und extra Angebote für Kinder (unter 'Gross und Klein') werden abgerundet von einem Besuch im Bistro.

  • Region Werdenberg | St. Gallen: Die Region Werdenberg an der Ostgrenze der Schweiz und angrenzend an Liechtenstein hat nicht nur die Stadt selbst zu bieten, sondern auch zahlreiche Wanderrouten, die sich lohnen.


4. Etappe - Berner Oberland

Wir sind übrigens tatsächlich irgendwann in Zürich abgekommen, haben wunderbar auf der Terrasse gespeist und einen Blick auf entfernte Gewitter werfen können, während wir einen kolossalen Blick auf den Zürichsee hatten. (Nur waren uns hier vor lauter Inputs und Eindrücken die Augen zu gefallen und erst am nächsten Tag auf der Fähre von Meilen (bei Zürich) nach Horgen (bei Zürich) bemerkten wir, dass wir weder Fotos gemacht, noch Grundsatzdiskussionen ausgefochten hatten.)

Heide und Piz auf dem Züri-See

Kein Problem, dachte sich der Andri. Das holten wir nämlich nach, sobald wir im Auto Richtung Berner Oberland waren. Denn peng! da war sie - unsere Grundsatzdiskussion: Was ist wichtiger, der Inhalt einer Nachricht oder deren Verpackung/Ton? (Ich frage mich immer, was andere Menschen denken, wenn sie uns im Auto diskutieren sehen und beobachten, wie ich das Flipchart rauskrame.) Ich würde auch heute immer noch behaupten, dass der Ton die Musik gemacht. Aber sei's drum.

Wir tuckerten gemütlich auf der Autobahn an Zug und Luzern vorbei und mir wurde schwer um's Herz. Ich hatte mich so auf einen Altstadtbesuch in Luzern gefreut und dann fuhren wir mit 120 km/h an der Stadt vorbei und alles was ich sehen konnte, war der See voll mit SUPs und Booten. Aber zumindest versprach der Mann neben mir, dass wir noch ganz viele andere Altstädte sehen würden. Und klar, die Hoffnung stirbt zu letzt. (Wir haben übrigens in den kommenden Tagen keine andere Altstadt zufriedenstellend angeschaut. Aber dazu später mehr.)

"On the Road again" - Ich kuschelte mich auf meinen Sitz und beobachtete die Landschaft, während wir auf der Autobahn Richtung Interlaken fuhren. Nicht. Denn statt Landschaft gab's haufenweise Tunnel. Immer wieder Tunnel und Berge und Tunnel. Beeindruckend, ja, unbedingt. Aber landschaftlich eher etwas eintönig. Nun wollten wir jedoch der architektonischen Leistung dieser Tunnel dennoch Achtung schenken und riefen bei jedem Tunnel erneut aus: Ohhh, Ahhh. Hübsch, hübsch. Aber für Tunnel dieser Art muss mensch sich irgendwie auch begeistern können, sonst wird's ab dem dritten Tunnel anstrengend. (Ich empfehle nebenbei diese Bildbände passend zum Thema Tunnel:)


Und endlich, nach den Tunneln kam das Berner Oberland. Ich war mehr als begeistert. Türkis-blaue Seen, umrundet vom Alpenpanorama und kleine Städtchen drum herum mit wenigen Menschen, die an den Uferpromenaden saßen. Das mag vielleicht CoVid-19 geschuldet sein. Aber auch mit Abstand und Schutzmasken im Gesicht war das Flanieren am Ufer und das Picknick mit dem besten Migros-Obst wunderbar, erholsam und einer der TOP-5 Momente unseres Urlaubs. Besonders Brienz am Brienzersee hatte es mir angetan. So ein wundervoller Ort, für Erwachsene, für Kinder, für Familien - für alle. Das Wasser im See war glasklar, der Himmel beeindruckend nah und eigentlich wollte ich nie wieder weg von dort.

Außerdem gar nicht weit von dort: Eiger, Mönch und Jungfrau - die drei berühmt berüchtigten 4'000-Berge mit Panoramabahn. (Ich bin ja im Geheimen ein Fan von hohen Bergen und den Geschichten um diese Berge herum, auch wenn ich Höhenangst hab.)

Tipp: An den See auf eine der vielen Treppenstellen setzen und einen kalten Eiskaffee trinken. Es kommt regelmäßig ein Schiff der BLS vorbei und lässt das Schiffshorn dröhnen.


Lesetipps:


Ausflugstipps (ohne und mit Kindern):

  • Jungfraujoch: Auf 3454m einen Blick auf die Viertausender zwischen dem Berner Oberland und dem Kanton Wallis erhaschen. Es fährt eine Bahn nach oben.

  • Gelmer Standseilbahn: Wer den Nervenkitzel sucht, findet ihn hier. Eine Steigung von maximal 106 Prozent macht sie unbestritten zur steilsten, offenen Standseilbahn Europas.

  • Hütten rund um Brienz: Die 5 schönsten Hütten zum Hinwandern und Übernachten mit kolossalem Ausblick.

  • Schiffsfahrt auf dem Brienzer oder Thunersee: Mit einem Ticket der BLS (Bahngesellschaft) lässt sich's auch Schiff fahren. Wunderbar auf dem See zu fahren und die Luft zu genießen.


Und zum Schmöckern:

Schloss in Spiez (Berner Oberland)

5. Etappe - Spiez, nach Zermatt und Genf und zurück

In Spiez am Thuner See trafen wir Freund:innen von Andri und konnten uns von dort aus in die nächsten Tage starten. Aber zuerst noch fix zwei Worte zu Spiez: Einfach nur WOW! Unbedingt die Stadt an der Bucht anschauen, durch's Schloss laufen und den eigenen Schlosswein trinken. Und gerne einige Tage bleiben und genießen. Wer dort wohnt, kann sich wohl jeden Tag im Urlaub fühlen. (Oder arbeitet einfach, wie der Rest von uns.)

Wir jedoch machten uns auf von dort aus auf um in den Süden nach Zermatt zu fahren und dann weiter nach Genf. Wir hatten vorsorglich eine Zugkarte besorgt, mit der wir einen ganzen Tag durch die Schweiz fahren konnten. Denn nun wollte auch Andri etwas sehen, ohne auf den Verkehr achten zu müssen.

Puh, und ich war so aufgeregt. Denn das Matterhorn wollte ich seit Jahren sehen. (Schwitzige Hände, Übelkeit, Bauchweh - meine Körper zeigte das volle Kleinkindprogramm.) Peinlich Toblerone essen und ein schreckliches Selfie davon machen. Das war mein Plan. Außerdem ins Matterhorn-Museum gehen und alles lernen über den Berg, die Erstbesteigungen und die Bedeutung für die Region (Kanton Wallis).

Auf dem Weg nach Zermatt durch's Wallis

Tja, und ich war natürlich nicht im Museum oder in peinlichen Tourist:innenläden, weil Andri und seine steten Plänen ja mal so gar nicht mit meiner Vorstellung von Touri-Ausflug übereinstimmen. (Ist theoretisch nicht so schlimm, aber praktisch brauch ich bei aller Schönheit und Zufriedenheit doch nochmal kurz was zum Meckern.) Weder habe ich also peinliche Matterhorn-Stifte noch Matterhorn-Notizblöcke besorgen können, geschweige denn, dass ich nur ein einziges Stück Toblerone gegessen hätte. Grmpf. (Dafür esse ich zwei Stangen beim Schreiben dieses Berichtes. IYF.)

Tipp: Es gibt den ganzen Matterhorn-Merchandise-Kram aber auch online nachzukaufen und die Kinder merken's sowieso nicht. Und wir haben jetzt Block, Stifte und Metallschild zu meiner Zufriedenheit bereits Zuhause. Und peinlich ist es nur manchmal.

Nun haben wir aber Folgendes von Zermatt aus gemacht und DAS empfehlen wir dringend weiter: Wir sind mit der Zahnradbahn hoch auf den Gornergrat (3180m) gefahren und hatten von dort den irrsten Blick auf das Matterhorn, die Dufourspitze (höchster Berg der Schweiz) und verschiedenste Gletscher. UNGLAUBLICH *kreisch. Es ist so wunderschön und gleichzeitig hoch da oben, dass ich diese Fahrt jederzeit wieder machen würde. Ich kann's immer noch nicht fassen, dass ich da oben war. (Wer jetzt meckert, dass wir nicht hochgewandert sind, der hat vielleicht Recht. Aber wir stehen zu unserem kurzen Moment der Faulheit.)

Piz und Heide auf dem Gornergrat mit Blick auf's Matterhorn

Selbst mit Höhenangst und Panik vor dem Runterfallen lässt sich diese Tour auf den Gornergrat gut meistern, zumal es mittlerweile gute Wanderwege nach oben und unten gibt, die auch für Einsteiger:innen geeignet sind. Und ich kann's nicht oft genug wiederholen: Dieser Blick auf die Jahrtausende alten Gletscher, der Blick auf's Matterhorn, auf diese alpine Landschaft - ich war und bin sprachlos ob der gigantischen Masse Stein und Eis.

Tipp: Wir haben immer wieder Tourist:innen mit Birkenstock-Sandalen oder Sneakers den Berg wandern sehen. Aus Gründen der (Fuß-)Sicherheit empfehlen wir, immer gutes und festes Schuhwerk mit Profilsohle anzuziehen. Abrutschendes Geröll unter den Füßen macht keinen Spaß.


Lesetipps:


Ausflugstipps (ohne und mit Kindern):

  • Der 5-Seenweg von Zermatt aus: Abwechslungsreiche Wanderroute mit Blick aufs Matterhorn

  • Matterhorn Glacier Paradise: höchstgelegene Bergstation Europas auf 3883m mit Blick auf 14 verschiedene Gletscher und das Matterhorn


...und nun wieder schnell in die Bahn und Richtung Genf.

Über das Gespräch, wieso wir noch am Genfer See bis Genf gefahren sind, kann ich mich kaum mehr erinnern. Ich weiß, dass wir ursprünglich nach Lausanne wollten, und dann aber doch bis Genf fuhren. Es lag wohl daran, dass der Mann seine Uni-Zeiten dort rekapitulieren wollte. Wie immer wurde unsere Diskussion um unser Reiseziel zu einer Grundsatzdiskussion, die für die Mitreisenden lustig anmutete, und am Ende standen wir am frühen Abend in Genf und suchten Andris alte Wohnung. Dazu muss ich sagen, dass wir im Kopf hatten, mit dem Boot und der Bahn noch zurück nach Spiez zu fahren und so hing uns die Zeit im Nacken.

Boah, das ist ja genau mein's: Durch solch geschichtsträchtige Städte wandeln und keine Zeit haben um zu Schauen, zu Starren oder zu Schmachten. Stattdessen hurtig, hurtig die EINE Straße bei der Uni gesucht.

Genfer Altstadt

Das soll hier gar nicht so klingen, als würde Genf nicht auch im Dauerlauf nett sein. Klar, wenn du die Straßen runterflitzt und versuchst, niemanden umzurennen, schaffst du sogar noch ein Eis, drei Kaffee und den üblichen Touri-Kram. Haha - Natürlich nicht. Da wir wirklich nur knappe 2h Zeit hatten in der Stadt und nebenbei auf der Suche nach Biografie waren, blieb mir nicht viel von Genf im Gedächtnis und ich weiß, dass ich gerne nochmal kommen mag um mir endlich auch mal etwas anzuschauen. Das Social Media verriet mir auch, dass sich ein Besuch in Lausanne ebenfalls lohnen würde. Nun, wir werden (das nächste Mal) sehen. Auf jeden Fall konnte ich auf dem Boot Richtung Lausanne meine Füße hochlegen und mal 30min Luft holen. (Für die Wassersüchtigen: Der Genfer See, als größter See der Schweiz, lohnt sich einen Besuch und mindestens eine Hand im Wasser.)


6. Etappe - Jura, Creux du Van und Neuchâtel

Wir hatten es geschafft - wir waren gegen 22 Uhr zurück in Spiez und ich fiel halbtot ins Bett. 1 Tag - 1 Berg, 7 Bahnen, 2 Boote, 3 Städte und viel zu wenig Zeit für alles. Zuviel Input für meinen Kopf und zu viele Geschichten von Bergen, Dörfern, Städten, Unglücken und Uni-Zeiten. Als wir am nächsten Tag noch entspannt im Thunersee baden waren und eine Führung durch den Schlossweinkeller bekamen, war mein inneres Gleichgewicht langsam wieder hergestellt. Entschleunigung war dringend erwünscht.

Und dann ab die Post zum Neuenburger See und nach Boudry auf den Bio-Hof 'Ferme de Trios Rods'. Und ja, wir waren in der französisch-sprechenden Schweiz und ich hab gefühlt null Komma nichts verstanden. (Dank an meine Französisch-Lehrerin in der Schule, die mit uns Kuchen aß und schnatterte, ohne nur ein Wort ins Französische zu übersetzen.) Und dennoch: Wir hatten wunderbare 2 Tage auf einem Bio-Hof mit Hofladen, den ich über alle Maßen weiterempfehlen will. Dort mit dem Auto unter den alten Eichen standen wir und schliefen unter den Sternen.

Und nun noch ein letzter Tipp für einen Ausflug, ein Picknick und einen grandiosen Ausblick:

Creux du Van in der Nähe von Neuchâtel und Boudry ist eine Felsformation bzw. ein Felsenkessel und ist nicht ohne Grund in jedem Tourist:innenführer vermerkt. Es gibt Parkplätze in der Nähe und auch die Möglichkeit, einen Kaffee zu trinken, aber ich würde ein Picknick auf der Plattform mit Blick auf die Abhänge empfehlen.

Creux du Van im Jura

7. Ab nach Hause | Resumee

Wir waren also insgesamt 13 Tage zusammen unterwegs, meist auf engstem Raum und unbedingt und absolut in Andris Welt. Der Schweiz. Noch nie waren wir beide gemeinsam so viele Tage unterwegs gewesen, hatten Urlaub gemacht oder Ähnliches unternommen. Immer nur kurze Trips, oder mit den Kindern. Und nun sollte dieser Urlaub zeigen, was seit CoVid-19 und dem Lockdown in uns steckt. Und? - Es war wunderwunderschön. Anstrengend, aber schön. Wir haben viel gelacht, viel geschwiegen, viel gelesen, viel gesehen, uns viel gehalten und dem anderen Mut und Kraft zugesprochen. Wir haben (natürlich) auch gestritten und uns den Rücken zugekehrt. Wir haben uns vertragen und die Kraft dieser kolossalen Berge auf uns wirken lassen. Die Schweiz und die Berge waren genau die Art Urlaub, die war nach den letzten Monaten dringend gebraucht hatten. In diesen Tälern und auf den Bergen liegt pure Entschleunigung und Ruhe. Auch wenn unsere Tour de Suisse holprig, an manchen Stellen zu schnell und dann zu langweilig schien, war es doch genau die Tour, die wir gebraucht haben. Piz und Heide haben ihre Mitte gefunden und vermissen frische Luft schon jetzt.


Und zum letzten Schmöckern:

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Wir sind Andri und Anne, ein Schweizer Jung' und ein Mädchen aus der brandenburg'schen Heide. Wir berichten von unseren Hotelreisen und empfehlen für Business-, Familien- und Wellnessreisen, wo es sich lohnt und wo es ungünstig ist, abzusteigen. Manchmal erzählen wir aber auch nur von Zuhause, von Rezepten und dem ein oder anderen Drama.

 

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